Im ORF-Weltjournal ist am 26.11. ein Film über die Probleme der Fischzucht, insbesondere der Lachszucht, gelaufen. Bis 3.12. ist er noch in der ORF-TVthek zu finden.
 
Hier unsere Stellungnahme dazu:

Prinzipiell sind die adressierten Themen im Detail alle richtig, doch die Gesamtaussage ist sehr tendenziös, da der Film nur die schlechtesten Bereiche der Fischproduktion beleuchtet und die anderen völlig ausblendet, zum Beispiel die biologische Fischzucht.

 
Das Kapitel über gefährliche Antioxidantien im Fischfutter ist richtig; im Biobereich sind wir uns dessen bewusst und haben sie deswegen für biologisches Fischfutter verboten. Hierbei geht es nicht nur um das erwähnte Ethoxiquin, sondern auch um BHT (Butylhydroxytoluol) und BHA (Butylhydroxyanisol). Anstelle dessen setzen wir (synthetisches) Vitamin E ein und z.B. antioxidative Pflanzenextrakte von Rosmarin und Oregano.

© Wolfgang Reiher
Marc Mößmer füttert seine Waldviertler Bio-Karpfen.

 
Auch die Problematik der vergifteten Ostseefische ist seit Jahrzehnten bekannt, Ostseefische sollte man überhaupt nicht essen. Für den Verkauf der Ostseefische gibt es zum Schutz der Arbeitsplätze eine Sondergenehmigung in der EU, obwohl die Grenzwerte fast immer weit überschritten werden – sowohl für Speisefische als auch zur Fischmehlproduktion.

 
Der Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung der Lachslaus ist ein riesiges Problem in der Lachsproduktion generell. Im Biobereich experimentiert man mit Futterzusatzstoffen wie z.B. Knoblauch und Rosmarin, mit Bädern in Süßwasser (das vertragen die Lachsläuse nicht und fallen ab) etc. Dennoch sind auch in der Bio-Lachszucht konventionelle Parasitenbekämpfungsmaßnahmen zu dulden, vor allem wenn in einer Küstenregion neben den Bio-Betrieben auch andere Betriebe in einem behördlich angeordneten „eradication scheme“ behandelt werden.
 

Rein pflanzliches Futter für Bio-Karpfen

Rein pflanzliches Futter für Bio-Karpfen

Fischmehl für Bio-Fische ist von Grund auf ein sehr kontroverses Thema – denn wozu soll man zuerst mit hohem Energieaufwand aus Fisch Mehl machen, um damit später wieder einen Biofisch (aus 3-5 kg Fisch macht man 1 kg Biofisch) zu füttern? Raubfische fressen in der Natur ca. 10 kg Fisch um selbst 1 kg zu wachsen (1:10). In modernen Futtermitteln mit sehr ausgewogenener Nährstoffzusammensetzung sind immer noch 3-5 kg Fisch für 1 kg Fisch aus Aquakultur nötig. Nach den neuesten Forschungsergebnissen können Fische zwar mit „vegetarischem“ Futter ernährt werden (allerdings bei schlechter Gesundheit), aber nur bei Zugabe von einigen chemisch-synthetischen Aminosäuren – ein Weg, der bei Bio nicht möglich ist.

Deshalb müssen wir auch im Bio-Sektor Fischmehl füttern. Um aber nicht 3-5 kg Fische (die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären) aus dem Meer zu fangen und zu Fischmehl zu verarbeiten, setzen wir im Bio-Bereich nur die Reste aus der Filetier-Industrie ein – ein Fisch hat nur ca. 30-40 % Filet, die 60-70% Rest sind dann der Rohstoff für das Fischmehl – und hier auch nur die Reste von Wildfischen, und nicht von konventionell gezüchteten Fischen mit der Gefahr von Antibiotika, Gentechnik etc.

Leider wird damit aber auch ein anderes Problem eingekauft: der hohe Knochenanteil bedingt eine nicht optimale Nährstoffzusammensetzung und man hat kein optimales Futter. Aber man muss sich entscheiden: will man die Meere leer fischen und eine Eiweißvernichtung betreiben zur Produktion von Raubfischen in der Aquakultur – oder will man wenigstens im Bio-Sektor einen nachhaltigen Ansatz fördern und – wenn überhaupt – die Raubfische mit einem nachhaltigen und ethisch vertretbaren Futter aufziehen.
 

© Wolfgang Reiher

Futtermittellager am Haslauer Teich

Interessanter Weise sind fast alle Fische, die die Menschen als hochwertig empfinden und am meisten essen, Raubfische: alle Forellen und Saiblinge, Lachs, Thunfisch, Dorade, Wolfbarsch, Kabeljau etc. Nur wenige beliebte Fische wie Hering und Sardine sind Planktonfresser und stehen daher in der Nahrungskette weiter unten.
 
Ein weiterer Nachteil der Raubfische ist, dass sie die Schadstoffe der Nahrung natürlich in ihrem Körper stark konzentrieren, da sie ja Fische fressen, die selbst schon Schadstoffe im Meer angereichert haben. Und das natürlich umso mehr, je größer sie werden und je länger sie leben.

 
Wer sich also möglichst risikoarm und nachhaltig ernähren will, sollte nur Fischarten wählen, die in der Nahrungskette weiter unten stehen und nicht mit Fischmehl gefüttert werden, die sog. Friedfische, wie z.B. Hering oder Sardine, oder biologisch gezüchtete Schleie, Karpfen, Weißfische etc. Natürlich ist auch die Herkunft – wie im Film beschrieben – ein wichtiges Kriterium: Verzicht auf Fisch aus der Ostsee und Kauf bei regionalen ProduzentInnen in Österreich, am besten biologisch.
 
Wir können im Biobereich leider auch nicht die natürlichen Gesetzmäßigkeiten (s.o.) außer Kraft setzen, aber es gibt bei uns jedenfalls wesentlich strengere Vorgaben zu den Futtermitteln als in der konventionellen Fischzucht!

 
Weitergehende Fragen beantworte ich Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch!
 
Ihr

DI Marc Mößmer & die Biofischer

Fotos: Wolfgang Reiher

 

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